Gegen die Stimmen von FDP, ML und Die Linke verabschiedete eine Mehrheit aus
SPD, Grünen und CDU im Mannheimer Gemeinderat am Dienstagnachmittag den
Doppelhaushalt 2010/2011.
Am Montag bereits hatte der Gemeinderat gegen die zwei Stimmen der Linken
das Haushaltsstrukturprogramm 2013 verabschiedet.
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Die Gegenstimmen zum Doppeletat hatten natürlich gegensätzliche Gründe: Die
FDP bemängelte, dass ihre zusätzlichen Streichungsvorschläge (z.B. Unterstützung für das Umweltforum) nicht umgesetzt und die Grundsteuersätze A und B erhöht wurden. Die Mannheimer Liste konnte erneut nicht verstehen, dass das auch von
ihr unterstützte Projekt der Einrichtung zusätzlicher Kita-Gruppen über 100 neue
Arbeitsplätze erfordert; sie beklagten generell die zu hohen Personalausgaben der
Stadt.
Die Linke begrüßte zwar einige Verbesserungen, die im Laufe der Haushaltsbe-
ratungen mit ihren Stimmen durchgesetzt werden konnten (rot-rot-grüne-Mehrheit)
und dass die Kita-Gebührenerhöhung nun gemäßigter läuft als ursprünglich geplant.
Sie kritisierte aber grundsätzlich, dass der Sozialpass gerade in der Krise von der Aus-
grenzung bedrohten Menschen weiterhin vorenthalten wird.
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Ihr Finanzierungsvorschlag, den Gewerbesteuerhebesatz um 15 Punkte bzw. 3,6% wieder auf das Niveau von 1999 anzuheben, fand keine weiteren Befürworter im Gemeinderat. Damit sieht Die Linke die Krisenlasten vollkommen ungerecht verteilt.
Das Haushaltsstrukturprogramm, mit dem spätestens ab dem Jahr 2013 nachhal-
tig 22 Mio. Euro jährlich eingespart werden sollen, war im Laufe der Beratungen um
einige Punkte geschrumpft: Insbesondere wurde die Reduzierung der Jugendhäuser
auf Jugendtreffs komplett herausgenommen, der Jugendtreff Wallstadt soll nun
doch errichtet werden. Der 48er Sportplatz wird nicht rückgebaut. Die Mittel
für Suchtberatung werden nicht gekürzt.
Aber: Das Programm zur Schließung und Verwertung zweier Schulstandorte (Kä-
fertal und Innenstadt) wird trotz heftiger Eltern- und Rektorenproteste durchge-
zogen. Dies und die dahinterstehende Schulgesamtstrategie waren ein wichtiger
Ablehnungsgrund für Die Linke.
Die Haushaltsberatungen waren diesmal sehr flott. In einigen Positionen hatte sich
bereits im Vorfeld aufgrund heftiger Proteste eine Zusammenstellung nicht um-
zusetzender Punkte herauskristallisiert.
Über weitere strittige Punkte hatten die Fraktionen und Gruppierungen ebenfalls
bereits vor den eigentlichen Beratungen untereinander und mit der Verwaltung
verhandelt. Mit „nur“ etwa 160 einzelnen Anträgen war deren Zahl im Vergleich er-
staunlich klein. Die CDU gefiel sich darin, nur weitere Kürzungs-, jedoch keine zu-
sätzlichen Leistungsanträge zu stellen. Im Ergebnis werden die BürgerInnen in
unterschiedlichen Lebenslagen die Krisen-„Bewältigung“ im Stadthaushalt zu
spüren bekommen durch viele einzelne Maßnahmen, die teilweise im Interesse der
Konzentration auf einige wenige Kontroversthemen durchgewunken wurden, z.B.:
zweimal (2010 und 2012) je 5% Eintrittspreiserhöhungen in allen Sporteinrich-
tungen; Deckelung der Kostenübernahme in Pflegeheimen, Erhöhung der Verpfle-
gungsgebühren in der Schulkindbetreuung und in Schulen; Versuch der Verwaltung,
ehemalige Frauenhaus-Bewohnerinnen in ihre Herkunftsgemeinden zurückzubewe-
gen.
Die Haushaltsberatungen waren sehr stark durch die Widerstandsaktionen der
Almenhöfer wegen des 48er-Platzes bestimmt; der Fördervereine der freien Ju-
gendarbeit wegen der Jugendhäuser, und am Montag noch der Eltern wegen der
Krippen- und Kindergartengebühren.
Eine gemeinsame Aktion dieser Initiativen kam leider nicht zustande: zu kurz war
die Zeit zwischen Bekanntwerden der Pläne am 22.12.09 und der Entscheidung im Gemeinderat. Und natürlich ist man zunächst auf das unmittelbare Anliegen fixiert.
Der politische Widerstand gegen die Bundes- und Landespolitik, die die Kommunen
zu derartigen Krisenhaushalten zwingen, wird sich noch besser formieren müssen. Der
Landtagswahlkampf wird die nächste Station sein. Denn Vieles, woran es auf kommunaler Ebene klemmt, ist Ergebnis von Landespolitik. Wie kommt es beispielsweise, dass drei Kilometer weiter, in Ludwigshafen, die Kindergartenplätze gebührenfrei sind, in Mannheim jedoch zunächst teurer werden?
Und hat die Infragestellung vieler Schulstandorte nicht auch etwas mit der frühen Spaltung der Sekundarstufe 1 nach der vierten Klasse zu tun? Baden-Württemberg: Selektionsland.
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