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13. Juni 2017 Meldung, KV Mannheim, Stadt- & Gemeinderat

Stefan Dreher antwortet auf Bert Rürup

Am 12. Juni 2017 erklärte im Mannheimer Morgen "Rentenexperte" Bert Rürup (SPD) seine Sicht zur Forderung der Linken, das Österreichische Rentensystem als Vorbild zu nehmen. Kernaussage im (nicht frei abrufbaren) Interview: "Der Einbau von Bremsfaktoren in die Rentenanpassungsformel war eine klare Entscheidung zur Entlastung künftiger Beitragszahler." Allerdings räumte Rürup zuvor ein, dass das Renteneintrittsniveau in Österreich um 40 Prozent über dem deutschen liegt, warnt aber vor mangelnder Nachhaltigkeit des Beitragssystems.

 

Dazu erklärt Stefan Dreher, Rentenexperte der Partei Die Linke,Rentenexperte im Vorfeld der Rentenveranstaltung mit ihm am 22. Juni um 19 Uhr im Bürgerhaus Neckarstadt West in Mannheim:

 

Rürup ist ein knallharter Interessenvertreter im Dienste der Versicherungswirtschaft und ist sich nicht zu blöde, längst widerlegte sogenannten Wahrheiten wiederzukäuen. So behauptet er zum Beispiel, die Bremsfaktoren in der Rentenformel würden Beitragszahler (also vor allem die jüngeren) entlasten. Das ist hanebüchener Blödsinn, denn der junge Beitragszahler zahlt heute 9,35 % Rentenbeitrag und muss dann alleine nochmal 4% dazuriestern, um seinen Rentenniveauverlust auszugleichen, liegt also bei 13,35 % Rentenbeitrag. Im Ergebnis hat er aber dennoch weniger als sein österreichischer Kollege. Mit diesen "Wahrheiten" wird ein heute 18-jähriger deutscher Auszubildender der Metall- und Elektroindustrie im Laufe seines Arbeitslebens um über 60.000 Euro geprellt.

Banken und Versicherungen halten sich sogenannte Wissenschaftler wie Rürup oder Raffelhüschen, die der aufgeschreckten Mittelschicht ihre "Wahrheiten" unter die Nase reiben, damit sie ihr Geld freiwillig bei ihnen abliefern.

Außerdem kommt Rürup mit dem Gespenst der Demografie. In Wirklichkeit geht es aber um Verteilung: Wenn bei stetem Wirtschaftswachstum von etwa 1,4 % der volkswirtschaftliche Kuchen größer wird, gleichzeitig aber die Bevölkerungszahl (trotz Zuwanderung und trotz der hilfesuchenden Geflüchteten) zwar undramatisch aber stetig sinkt, dann müsste für den Einzelnen eigentlich mehr übrig bleiben. Nur weil Produktivitätsfortschritte und Rationalisierungen nicht durch Umverteilung, z.B. durch Arbeitszeitverkürzungen oder durch höhere Löhne oder Steuern abgeschöpft werden, verbleiben die Reichtumszuwächse in den Händen weniger Privater. Das hat Österreich verstanden, welches ein Rentensystem für Rentner hat und nicht ein zerschossenes Rentensystem wie Deutschland, das Arbeitgebern, den Banken und Versicherungen aber höchste Gewinne garantiert.

 

Die Rente armutssicher zu machen, hat Adenauer 1957 vorgemacht. DIE LINKE würde sich nicht nur Österreich, sondern auch Adenauer zum Vorbild nehmen.