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Demo "Transgender Day of Remembrance" in Heidelberg

Salvo

Hier die Rede zur Veranstaltung "Transgender Day of Remembrance" auf der Heidelberger Neckarwiese organisiert von der Linksjugend Heidelberg, als Gastredner Salvo von der Linksjugend Mannheim.

 

Triggerwarnung: In dieser Rede geht es um Suizid, Transfeindlichkeit und Gewalt.

Hallo Leute, Hallo Genoss*innen,

wir gedenken heute allen Opfer, die aufgrund von Hass oder Vorurteilen gegenüber transsexuellen und transgender Menschen ermordet wurden.

Warum der 20.November fragt ihr euch sicherlich? Im November 1998 wurde in den USA die afro-amerikanische trans Frau Rita Hester ermordet. Am darauffolgenden Freitag versammelten sich über 250 Menschen, um ihrer Trauer und Wut über den Mord Ausdruck zu verleihen. Seit 1999 findet der „Transgender Day of Remembrance“ jährlich am 20. November statt.

Alleine in den letzten 12 Monaten wurden weltweit mindestens 375 transsexuelle und gender-diverse Menschen umgebracht. Mindestens, denn die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Denn ein großer Teil transfeindlicher Hassverbrechen wird nicht als solche erfasst oder gar nicht erst gemeldet.

Ihr erinnert euch bestimmt noch als vor paar Wochen in allen Medien darüber berichtet wurde, dass sich eine Person namens Ella das Leben nahm. Sie war erst vor 5 Jahren nach Deutschland gekommen, da sie in ihrem Heimatland transfeindliche Diskriminierung tagtäglich erfahren hatte. Sie kam mit dem Gedanken eines weltoffenen Deutschlands nach Deutschland, leider haben sich ihre Hoffnungen nicht erfüllt. Denn auch ihn einem vermeintlichen Queerfreundlichen Land wie Deutschland werden Queere Personen immer noch von staatlicher Seite diskriminiert, sei es der Betrag, welcher fällig ist, bei einer Personenstandsänderung oder auch der lange Weg von vielen Arzt- und Psychologen-Besuchen.

Gewalt gegen trans* Menschen gibt es auch in unserem Land. Neben jeder Art von Gewaltverbrechen existiert auch eine Gewalt, die subtiler wirkt und in unserer Gesetzgebung verankert ist. Das Transsexuellengesetz (TSG) regelt seit nunmehr 40 Jahren, wie Menschen, deren Geschlecht von dem ihnen bei Geburt zugeordneten Geschlecht abweicht, Vornamen und Personenstand ändern können. Die dabei einzuhaltende Prozedur wird von Betroffenen als entwürdigend und durchaus gewaltvoll erlebt.

Dabei bleibt es aber leider nicht, denn besonders einschneidend wirken sich transfeindliche Diskriminierungen auf die Lebensrealitäten von Menschen aus, die zusätzlich mit Rassismus, Armut oder Einschränkungen ihrer Autonomie durch eine Behinderung konfrontiert sind. Transfeindlich motivierte Abwertungen oder Angriffe treffen übrigens nicht nur Menschen, die tatsächlich transgeschlechtlich sind: Auch andere Personen können zur Zielscheibe werden, wenn ihr Geschlechtsausdruck von der Norm abweicht. Im folgenden werde ich zwei Bereiche aufgreifen und daran verschiedene Diskriminierungsformen festmachen, welche über zwei Studien erfahren werden konnten.

Arbeitsmarkt und öffentlicher Raum

Trotz überdurchschnittlicher Bildung gab in der Studie "Out im Office" rund ein Viertel der trans* Befragten ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1000 Euro an (in der Teilgruppe der nicht-binären Befragten sogar 40 Prozent). Viele erlebten am Arbeitsplatz Ausgrenzung oder Kontaktabbruch (39 Prozent), Imitieren und Herabwürdigung ihrer Gestik oder Stimme (32 Prozent), den Entzug des Kund*innenkontakts (16 Prozent) oder eine Kündigung (acht Prozent) aufgrund ihres Transseins.

Zu Gewalttaten und Beleidigungen auf der Straße fehlen belastbare Zahlen, weil transfeindliche Taten in Statistiken über Hasskriminalität nicht von homo- oder bifeindlichen Vorfällen getrennt ausgewiesen werden und die Meldebereitschaft als gering gilt. Die Staatsanwaltschaft Berlin ordnete 2017 und 2018 jeweils etwa 50 Fälle als transfeindlich ein, darunter Schläge, Tritte und Messerstiche in den Unterbauch, Bespucken und Beleidigungen sowie Todesdrohungen.

Familie und Schule

Die eigene Familie scheint in vielen Fällen für trans* Kinder und Jugendliche kein sicherer Ort zu sein: In einer Befragung transgeschlechtlicher Jugendlicher gaben 79 Prozent an, dass ihre Familie ihre Geschlechtsidentität nicht ernst genommen habe.


Insbesondere trans* Mädchen und junge trans* Frauen berichteten darüber hinaus, selbst in der Familie beschimpft oder lächerlich gemacht (22 Prozent) oder körperlich angegriffen worden zu sein (sechs Prozent; bei nicht-binären Jugendlichen acht Prozent). Auch in der Schule sind dieser Studie zufolge Beleidigungen (44 Prozent) und Ausgrenzung (36 Prozent) teil transgeschlechtlicher Alltagserfahrung.

All das können wir nicht hinnehmen und müssen deshalb aktiv gegen Trans und Queerfeindlichkeit vorgehen, deshalb fordern wir als linksjugend Mannheim

Diskriminierung bekämpfen: Wir wollen einen wirksamen Nationalen Aktionsplan gegen LSBTIQA*-Feindlichkeit und für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Dabei müssen auch Mehrfachdiskriminierungen (z.B. aufgrund sozialer oder ethnischer Herkunft) berücksichtigt werden. Der Schutz vor Diskriminierung aufgrund der geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung muss in Artikel 3 GG aufgenommen werden.

Armut und soziale Ausgrenzung von queeren Menschen beseitigen: Wir wollen Zufluchts- und Wohnorte für junge queere Menschen, die von Obdachlosigkeit bedroht sind. Strukturelle Ausschlüsse von Lesben und Trans* (mangelnde Sichtbarkeit, Altersarmut) wollen wir beseitigen. Für queere Menschen im Alter wollen wir mehr Angebote gegen Altersarmut und für selbstbestimmtes Wohnen mit entsprechenden Pflege- und Unterstützungsmöglichkeiten.

Selbstbestimmung für trans* und inter* Menschen: Das fremdbestimmte Transsexuellengesetz (TSG) wollen wir abschaffen und durch ein Selbstbestimmungsrecht ersetzen. Die Rechte von trans* und inter* Kindern und Jugendlichen wollen wir stärken. Wir wollen dem freien Zugang zu allen notwendigen medizinischen Leistungen. Wir setzen uns für queere Gesundheitszentren mit Schwerpunkt trans* und inter*auch auf dem Lande ein.

Queere Geflüchtete absichern und stärken: Queeren Menschen, die verfolgt werden, muss uneingeschränkt Asyl bzw. Schutz gewährt werden. Wir fordern dezentrale Unterbringung von queeren Geflüchteten und flächendeckend Fachstellen für LSBTIQA*-Geflüchtete.

Wir stehen solidarisch an der Seite derjenigen, die vom TSG betroffen sind und Diskriminierung erfahren. Unser Feminismus schließt alle ein, die vom Patriarchat unterdrückt werden: Frauen, Inter*-, nichtbinäre-, Trans*- und Agender-Personen (FINTA). Die Grundlage für Unterdrückung, Ausbeutung und Ungleichheit liegt in der kapitalistischen Klassengesellschaft verankert.

Uns vereinen unsere Interessen als Arbeiter*innen und Jugendliche, welche nicht vom Kapitalismus profitieren. Nur in einer sozialistischen Demokratie, an welcher alle Menschen frei von ökonomischen Zwängen demokratisch an der Gesellschaft partizipieren, können wir Diskriminierung und Patriarchat vollständig überwinden. Deswegen ist unser Feminismus auch immer antikapitalistisch und sozialistisch.

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