"Nicht über uns ohne uns!" - Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung
Der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen wurde von der UN im Jahre 1993 zum 1. Mal ausgerufen. Zuvor gab es von den Vereinten Nationen im Jahre 1981 ein Jahr der Menschen mit Behinderungen, auf das dann im Jahr 1982 ein Aktionsplan zur Verbesserung der Situation der Menschen mit Behinderungen erarbeitet wurde.
Die Jahre 1983 bis 1993 wurden von der UN zum Jahrzehnt der Menschen mit Behinderungen ausgerufen. Bis Ende der 70er Jahre wurde Behinderung immer noch als Krankheit angesehen – „das wird schon wieder“. Erst als die Vereinten Nationen klarstellten, dass ein Handicap etwas anderes ist als eine Krankheit, hat sich auch in Deutschland die Denkweise geändert. Aus einer "Aktion Sorgenkind" wurde die "Aktion Mensch", Menschen mit Behinderungen mussten nicht mehr ausschließlich fürsorglich behandelt werden. Ja, sie durften tatsächlich auch Regelschulen besuchen - so sie denn überhaupt barrierefrei zugänglich waren. Selbst das Abitur mit anschließendem Studium wurde ermöglicht. Eigentlich alles superduper. Tatsächlich könnten Menschen mit Behinderungen auch ganz normal einen Arbeitsplatz besetzen, wenn es nicht die Ausnahme gäbe, dass die Firmen die Behindertenquote nicht erfüllen müssen, wenn sie denn eine Ausgleichsabgabe - einen Freikauf - löhnen, dessen Höhe schlichtweg lächerlich ist.
So bleibt, zumindest denjenigen, die sich das getrauen, nur die Selbstständigkeit. Die wenigsten, denen in jungen Jahren eine Behinderung widerfährt, haben das Glück, auf dem 1. Arbeitsmarkt Fuß fassen zu können. Den anderen droht ständiges Jobhopping - alle paar Jahre ein anderer Job und Arbeitgeber und längere Zeiten von Erwerbslosigkeit. Die Behindertenquote an sich ist nichts schlechtes, sie wird nur elendig missbraucht. Mit Quoten hat es diese Gesellschaft eh nicht, siehe politische Kandidaturen oder auch die Frauenquote. Zurück zu den Menschen mit Behinderungen - wenn man meint, dass es so etwas wie ein soziales Miteinander gibt, weit gefehlt.
Nach wie vor können Menschen nicht von jeder öffentlichen Haltestelle wegkommen, wenn sie im Rollstuhl sitzen, Bordsteine sind nicht überall abgesenkt, barrierefreie Wohnungen, in denen man sich gegenseitig besuchen könnte - weitestgehend Fehlanzeige. Außer den öffentlichen Gebäuden, die dazu verpflichtet sind, sind noch immer sehr viele Gebäude nicht barrierefrei zugänglich, Behindertentoiletten kann man sozusagen mit der Lupe suchen. Ärzte verschanzen sich in Gebäuden ohne Aufzug oder zunächst mit Stufen. Eine Teilhabe am sogenannten normalen Leben ist damit purer Luxus.
Aber damit all das eben negativ Beschriebene sich zum Positiven ändert, sind solche Gedenktage absolut notwendig.
Dateien
- tag_behinderung-webseite.png
PNG-Datei (891 KB)

