#WeRemember
Seit 1996 erinnern wir uns am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee Auschwitz und befreite aus dem dortigen Vernichtungslager die rund 7000 Überlebenden.
Die Nationalsozialisten haben allein in den sieben Vernichtungslagern vermutlich mindestens vier Millionen Menschen ermordet. Auch ein Standort in Mannheim war Teil dieses Systems. In Sandhofen waren Zwangsarbeiter untergebracht, die unter anderem bei Benz Kriegsgerät herstellen mussten. Sandhofen war ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof im Elsass.
Am Mannheimer Hauptbahnhof begann für 2335 jüdische Bürgerinnen und Bürger Mannheims der Weg nach Gurs. Die Menschen traf die Deportation unvorbereitet, sie durften kaum Gepäck und nur wenig Geld mitnehmen. An jenem 22. und 23. Oktober 1940 deportierten die Nationalsozialisten noch tausende weitere badische Juden und Jüdinnen nach dem Lager in Frankreich. Wer die Gefangenschaft überlebte, wurde später nach Auschwitz gebracht und dort ermordet.
An die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus erinnert der Glaskubus nahe dem Paradeplatz. Dort sind die Namen der meisten Opfer eingraviert. Vor dem Krieg waren 6000 Menschen in der Jüdischen Gemeinde Mannheims. Fast alle haben Krieg, Verfolgung, Deportation, Misshandlung, Folter nicht überlebt. Auch viele jener Menschen, die den Nationalsozialisten aus irgendwelchen Gründen nicht ins Weltbild passten, waren Opfer der zwölf Jahre nationalsozialistischen Terrors. An die Ermordeten erinnen die bislang 178 Stolpersteine, die im ganzen Stadtgebiet vor ehemaligen Wohn- und Arbeitsorten ins Pflaster eingelassen sind oder an Orten, an denen die nationalsozialistische Terrorherrschaft weitere Opfer fand.
An den Gewerkschafter Georg Lechleiter erinnert der Georg-Lechleiter-Platz in der Schwetzingerstadt. Die Lechleitergruppe hatte in kleinen Zellen in Mannheimer Betrieben wie Lanz oder Brown Boverie & Cie den Widerstand unter den Arbeitern organisiert und war durch Denunziation aufgeflogen. 14 Mitglieder wurden am 15. September in Stuttgart ermordet. Grundlage war ein Verfahren vor dem Mannheimer Volksgerichtshof. Diese Sondergerichte hatte das Regime extra eingerichtet, um die politischen Gegner auf scheinbar legalem Weg ermorden zu können. Die Prozesse dauerten allerdings nicht lange, weil die Angeklagten keine rechtsstaatlichen Mittel für ihre Verteidigung zur Verfügung hatten. Der Prozess gegen die Lechleitergruppe dauerte zwei Verhandlungstage.
Die Terrorherrschaft war noch nicht zu Ende, als der Krieg bereits für alle sichtbar verloren war. Besonders in den letzten Kriegstaten zeigte sich die sinnlose Zerstörungswut dieser Ideologie. Am 28. März ermordeten Regimemitglieder die drei Bürger Erich Paul, Adolf Doland und Hermann Adis in den Lauergärten, weil sie vom nahen, 1938 "arisierten" Kaufhaus Vetter (später Horten) eine weiße Fahne gehisst hatten. Am Tag danach marschierte die US-Armee durch die Neckarstadt. Es folgten noch Monate und Jahre, in denen noch zahlreiche Menschen an Krankheiten und Hunger als Folge dieser einmalig brutalen Gewaltherrschaft starben.

