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Wir sind erschrocken. Hoffentlich sind wir auch aufgewacht.

Die Bundestagswahl hat ein erschreckendes Ergebnis gebracht. So sehr wir über das Ergebnis unserer Partei enttäuscht sein müssen, muss uns allen klar sein, dass am Ende der vor uns liegenden Koalitionssuche keine Regierung steht, die den Ansprüchen gerecht wird, die SPD und Grüne vor der Wahl an sich selbst gestellt haben. Am Ende wird eine wie immer zusammengesetzte Koalition stehen, die alle notwendigen Ziele verfehlen wird. Eine Koalition aus Parteien, die gegenseitig mit dem Finger auf die anderen beiden zeigen können und laut rufen: "Die sind schuld!" Wir könnten fast froh darüber sein, wenn das Ergebnis nicht so dramatisch wäre. Es wird entweder die FDP oder die CDU mit in der Regierung sitzen. Das bedeutet: Uns stehen vier verlorene Jahre für den Klimaschutz bevor, vier Jahre, in denen notwendige Reformen und Veränderungen im Gesundheitswesen, in der Steuerpolitik, im Wohnungsbau verschleppt werden, in denen großzügige Steuergeschenke jene erwarten können, die sie nicht nötig haben und der Staat damit freiwillig auf viele Milliarden verzichtet, die er braucht, um das in Angriff zu nehmen, was allein die Zukunft sichern würde.

Unsere Partei trägt dafür leider mit die Verantwortung. Auch wenn die Grünen unerwartet schwach abgeschnitten haben: Es ist unser schlechtes Ergebnis, das eine linke Mehrheit nicht hat zustandekommen lassen.

 

Jetzt müssen wir in Angriff nehmen, was Not tut. In den kommenden Wochen entscheidet sich, wo unsere Partei in vier Jahren stehen wird. Wir haben gute Nachwuchsleute. Diesen müssen wir einen Platz bieten, und zwar nicht erst, wenn die Platzhirsche von sich aus abtreten. Ideologie ohne Ideen, Dogmatismus ohne Realismus, damit werden wir scheitern. Jetzt ist der Moment, in der wir alle zu mehr innerparteilicher Toleranz und Kompromissbereitschaft finden, etwas mehr vorausschauende Vernunft beweisen und das Bewusstsein dafür stärken müssen, dass das Wirken für das Gesamtinteresse auch immer dem eigenen Interesse nutzt. Dazu müssen wir auch die Fähigkeit entwickeln, uns von außen zu sehen. Wir wollen nicht nur Recht haben. Wir wollen auch gewählt werden.

 

Wir sind erschrocken. Hoffentlich sind wir auch aufgewacht.

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