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#ZuhörenstattAnsagen - Mehr Rad, mehr Bus, mehr Bahn!

Isabell Fuhrmann im Gespräch mit KD Lambert

 

#ZuhörenstattAnsagen Landtagskandidatin Isabell Fuhrmann aus dem Wahlkreis 35 Mannheim II im Gespräch mit Dr. KD Lambert. KD Lambert ist Sozialwissenschaftler & Verkehrsexperte.

Isabell Fuhrmann: DIE LINKE Baden-Württemberg hat als ein wichtiges politisches Ziel in ihrem Landtagswahlprogramm die Klimaneutralität des Landes bis 2035 formuliert. Es gibt ja viele verschiedene Bereiche, in denen vor allem mit CO² das Klima belastet wird. Wie groß siehst du den Anteil der Mobilität am Erreichen der Klimaziele?

KD Lambert: Mit einem Anteil von circa 18 % ist der Verkehr der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen in Deutschland und im Gegensatz zu anderen Sektoren sind die Emissionen seit 1990 nicht gesunken.

Das liegt daran, dass die Anzahl der Autos pro Einwohner zunimmt und die Autos immer größer und schwerer werden.

Isabell Fuhrmann: Welche Bereiche der Mobilität müssen sich am dringendsten ändern?

KD Lambert: Die Anteile des Fuß- und Radverkehrs sowie des öffentlichen Verkehrs - in einem Wort des Umweltverbundes - müssen sich erhöhen und die Anteile des motorisierten Verkehrs müssen sich verringern. Ziel muss sein, die Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsmittel des Umweltverbundes in Städten zu vereinfachen. So lässt sich die Bedeutung des eigenen Autos verringern.

Isabell Fuhrmann: Im LINKE-Wahlprogramm steht die Forderung nach Nulltarif im Nahverkehr.

Was hat deiner Einschätzung nach den größeren Effekt für die Stärkung des ÖPNV - Fahrpreissenkung bis hin zum (umlagefinanzierten) Nulltarif oder Angebotsverbesserungen wie zum Beispiel Taktverdichtungen?

KD Lambert: Wenn ich Bekannte und Kollegen frage, warum sie nicht öfter den ÖPNV nutzen, ist die häufigste Antwort, das sei zu teuer. Ob diese subjektive Einschätzung korrekt ist, sei dahingestellt. Ich ziehe daraus jedenfalls den Schluss, dass der ÖPNV billiger werden muss als die Nutzung eines privaten PKW. Das hat für mich Priorität.

Isabell Fuhrmann: Wo siehst du die wichtigsten Unterschiede bei den notwendigen Maßnahmen zwischen Stadt bzw. Ballungsräumen und ländlichen Gebieten?

KD Lambert: Je zentraler man wohnt, desto entbehrlicher wird das eigene Auto. Im Stadtgebiet Innenstadt/Jungbusch gab es im Jahr 2019 0,32 PKW pro Haushalt, in Wallstadt waren es 1,2 PKW pro Haushalt. Dennoch haben wir den Eindruck, dass die Innenstadt völlig zugeparkt ist und Autos viel wertvolle Fläche in Anspruch nehmen. Ich plädiere deshalb dafür, das Parken des privaten PKW im öffentlichen Raum dort, wo der Platz knapp ist, strenger zu regulieren als dort, wo reichlich Platz vorhanden ist.

Isabell Fuhrmann: Noch vor den Antriebsarten ist eine Neuorganisation des Verkehrs die entscheidende Entwicklung in der Verkehrswende, zum einen eine Verschiebung von Besitz zu Sharing-Modellen, zum anderen durch verbesserte Nutzungsketten bei der Fortbewegung, dem sogenannten Modalsplit. Was schwebt dir da schwerpunktmäßig für die Zukunft vor?

KD Lambert: Eine große Hürde der Nutzung des ÖPNV ist das Problem der letzten Meile. Darunter versteht man die Überbrückung der Entfernung von der eigenen Haustür zum nächsten Haltestelle und von der letzten Haltestelle zum Ziel. Alles über 500 Meter führt zu Akzeptanzproblemen. Lösungsansätze sind hier a) Mikromobilität (z.B. E-Scooter) und b) der sogenannte bedarfsgesteuerte Flächenbetrieb (RideSharing, RidePooling und RideHailing) und das Ganze in gar nicht so ferner Zukunft auch noch mit autonomen Fahrzeugen. Hier wird es allerdings für den Laien sehr komplex. Dennoch muss man sich damit auseinandersetzen. Der bedarfsgesteuerte Flächenbetrieb wird die Mobilität der Zukunft sein, davon gehe ich aus.

Isabell Fuhrmann: Zuletzt etwas Regionalspezifisches: Siehst du noch eine Zukunft für den City Airport Mannheim?

KD Lambert: Nein. Ein Regionalflughafen ist klimapolitisch schon vom Namen her ein Widerspruch in sich. Keine Steuergelder für Regionalflughäfen in der ganzen EU!

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